Interview zum Thema Hyperloop mit unserer Susanna Klotz

Redaktion/ August 28, 2021/ Beitrag/ 0Kommentare

(Im Rahmen des TUM Hyperloop Projekts wurde Susanna Klotz um ein Experteninterview gebeten. Dieses Interview wurde via Onlinekonferenz zwischen Benjamin Steidl vom Next Prototypes e.V. in Garching und unserer Susanna geführt.)

Susanna Klotz

Infos zum Hyperloop findet Ihr hier: https://tumhyperloop.de/uber-hyperloop/?lang=de#what-is-hyperloop

BENJAMIN STEIDL (Next Prototypes e.V.): Ich bedanke mich nochmal, dass sie an diesem Interview teilnehmen, und würde Sie einfach mal bitten, sich und ihren Aufgabenbereich kurz vorzustellen.

SUSANNA KLOTZ: Also ich bin die Susanna Klotz, ich bin im Behindertenverband Bayern, wo Sie mich ja auch gefunden haben. Ich bin hauptberuflich Verwaltungsbeamte bei der Stadt München, dort seit ein paar Jahren freigestellt für die Schwerbehindertenvertretung. Ich habe jetzt für unser Interview Informationen eingeholt, eben bei Leuten aus dem Behindertenverband, Rollstuhlfahrer, aber auch aus eigenen Erfahrungen, ich bin selbst behindert und habe eine Behinderung, die man nicht sehen kann. Ich habe eine chronische Leukämie, habe mich aber auch mit Sehbehinderten und hörgeschädigten Leuten in Verbindung gesetzt, mit psychisch kranken Menschen, einfach um ein bisschen was zu haben für Sie.

BENJAMIN STEIDL: Vielen Dank, das freut mich sehr zu hören und da haben Sie bestimmt ein paar gute Punkte rausgefunden. Dann können wir auch starten, welche besonderen Bedürfnisse müssen wir berücksichtigen, bei der Auslegung des Interieurs und vor allem auch der Sitze? Das wird man, denke ich, aufgeteilt auf die verschiedenen Behinderungen betrachten.

SUSANNA KLOTZ: Ich habe jetzt erstmal die grundsätzlichen Bedürfnisse gemacht. Die Sitze kommen dann später in meinen Aufzeichnungen. Wichtig sind barrierefreie, akustische und optische Informationen bei Störungen und Abweichungen. Zum einen, dass man weiß, was los ist, welche Möglichkeiten es gibt, wie ich ausweichen kann. Das wird jetzt natürlich beim Hyperloop nicht so sein, dass ich irgendwo umsteigen muss. Wichtig sind deutlich sichtbare Infotafeln, mit großer Schrift, hohen Kontrasten und zusätzlich mit Brailleschrift. Die Möglichkeit der akustischen Verbindung, über App oder Headset, zum besseren Hören. Das wäre mir noch eingefallen, wenn ich sehbehindert bin oder schlecht höre, dass ich über eine App oder Headset geleitet werden kann.

BENJAMIN STEIDL: Gibt es da schon eine spezielle App, die man einbinden kann, oder meinen Sie eine spezifische Hyperloop App?

SUSANNA KLOTZ: Nein, ich meine jetzt ganz allgemein, dass man sowas erfindet und sagt, okay da kann ich mich einloggen und das kann mich mit GPS und sonst wie direkt an den Bahnsteig führen. Weil gerade im Bahnhof, oder an vielbefahrenen Straßen ist es laut, die Hintergrundgeräusche erschweren das Verstehen von Durchsagen. Wenn man ohnehin Probleme hat zu hören, ist das da schwierig. Deutlich sichtbare Haltestellen bei Bus und Tram, vor allem, wenn die Haltestelle wegen Bauarbeiten verlegt wird und nur kleine unscheinbare Schilder darauf aufmerksam machen. Verhaltensregeln für den Notfall müssen deutlich, von überall optisch und akustisch sichtbar sein, vor allem bei Menschen mit Sinnesschädigung, die das nicht so wahrnehmen. Das geht an ihnen vorüber. Toiletten ist so eine Sache, das geht ja schnell beim Hyperloop zum nächsten Bahnhof, aber Personen mit chronischen Darmkrankheiten, bei längerer Fahrt oder man nicht stehen bleibt, weiß ich nicht ob eine Toilette geplant ist? Das Gefühl von Sicherheit vor Übergriffen, bei Notfällen, ist Begleitpersonal dabei? Wie sieht es aus mit Tageslicht, gut in dem Fall gibt es das natürlich nicht, aber man kann die Lampen so konzipieren, dass es ein sehr angenehmes Licht gibt. Hilfspersonal an Haltestellen zum Ein- und Aussteigen, grade für Sehbehinderte und Mobilitätseingeschränkte. Große Bodenmarkierungen zum Zug oder zur Haltestelle. Genug Zeit fürs Aus- und Einsteigen, wenn man länger braucht, wenn ich sage der Zug fährt gleich wieder, bis ich da meine Tasche draußen habe, meinen Rollator rausgehievt und dann selbst rausgeklettert bin, da brauch ich einfach mehr Zeit. Das wäre zu den besonderen Anforderungen.

BENJAMIN STEIDL: Das ist eine super Liste, mit der Toilette ist tatsächlich etwas, das bei Zügen ab 30 Minuten ohne Haltemöglichkeit vorgeschrieben ist. Zum Beispiel in der S-Bahn braucht man es nicht, weil die kürzer als alle halbe Stunde hält. Allerdings ist unsere angestrebte Fahrzeit ja so zwischen einer und eineinhalb Stunden. Dann bräuchte man da, also beim Demonstrator jetzt nicht, aber beim ersten wirklichen Zug auf jeden Fall Toiletten.

SUSANNA KLOTZ: Ich hätte die Antworten auf jeden Fall auch schriftlich, das kann ich Ihnen danach senden.

BENJAMIN STEIDL: Zu dem zweiten Thema, was haben sie da? Was sind die Probleme in heutigen Verkehrsmitteln?

SUSANNA KLOTZ: Da haben wir ja die Anzeigen, da wird ja im Hyperloop alles sehr schön elektronisch sein, und das kann man optimal von der Größe einstellen, heute sind sie oft zu klein und unscheinbar. Texte laufen oft zu schnell durch, dass man das nicht so schnell macht, dass man da nachkommt. Befestigungsmöglichkeiten für Rollstühle und Rollatoren, wenn ein Rollstuhlfahrer einsteigt, der muss ja seinen Rollstuhl irgendwo hinstellen, oder der Rollstuhl muss befestigt werden, wenn er drin sitzen bleibt. Wenn es zu wenig Platz gibt, aber das wird ja nicht das Problem sein, wenn da in 5 Minuten der nächste kommt. Sitzgelegenheiten, sind das Einzelsitze oder Sitzbänke?

BENJAMIN STEIDL: Momentan haben wir von den Maßen nur eine Breite von 1,60 Meter, deshalb werden es momentan Einzelsitze mit einem Gang dazwischen. Weil für mehr der Platz nicht reicht. Es kann natürlich sein, dass es in späteren Entwürfen nach oben skaliert wird, allerdings stiegen die Preise für die Röhre mit dem Durchmesser stark an, deshalb haben wir uns auf diese Größe geeinigt.

SUSANNA KLOTZ: Okay, ja gut die Sitze sollten ja auch nicht zu schmal werden. Dass da Platz ist. Ist da geplant, dass Begleitpersonal dabei ist, oder sind es tatsächlich nur die Fahrgäste?

BENJAMIN STEIDL: Es ist natürlich etwas, das noch nicht entschieden ist, aber also wie ich es momentan sehe, ist das eher ohne Begleitpersonal gedacht.

SUSANNA KLOTZ: Ja das dachte ich mir fast, weil das sehe ich schon als großes Problem, weil grade, es gibt natürlich auch psychisch kranke Menschen, oder jemand der vielleicht eine Panikattacke bekommt, oder was weiß ich. An so einem Gerät, es gibt ja auch Leute, die dauerhaft beatmet werden, da muss man sowieso schauen, ob das vom Druck nicht ein Problem ist. Aber die sonst Hilfestellung brauchen, auch wenn es bloß eine Stunde Fahrtzeit ist, das kann auch lang werden. Klar muss man dann auch schauen, ob das für jemanden geeignet ist, der diese Einschränkungen hat.

BENJAMIN STEIDL: Modelle, die man sich da vorstellen könnte, nachdem es ja doch in weiterer Zukunft liegt, ist dass die komplette Ticketorganisation online sein wird und die gesamten Fahrten nachfragegesteuert sein werden. Wenn es grade keine Nachfrage gibt, wird er auch nicht fahren. Ich denke mal, dass man da auch integrieren könnte, dass Leute, die Hilfe benötigen, das da angeben und es dann eben einmal die Stunde Begleitpersonal gibt, was da dabei ist, oder halt wirklich bedarfsgesteuert, wenn jemand Hilfe benötigt, jemand mitfährt.

SUSANNA KLOTZ: Oder, dass vielleicht, wie sie sagen, einmal die Stunde einer fährt, wo man sagt, gut mir ist es lieber dass da jemand mit dabei ist, ich bin nicht alleine in dem Ding und jede Stunde wird da eines mit Begleitpersonal durch die Röhre geschossen. Okay, also dann zu den Sitzen. Natürlich ergonomische Sitze nach Möglichkeit, auch nach einer Stunde kann der Rücken schon weh tun. Dann eventuell drehbar, um sich leichter hinsetzen zu können, oder beweglich, dass man sich den Stuhl richtig gut einstellen kann, dass man tatsächlich bequem sitzt. Ich weiß nicht, ob es gedacht ist, dass man dabei auch was trinken oder essen kann, vielleicht mit so einem Tischchen, aber ich weiß nicht was da so geht.

BENJAMIN STEIDL: Drehbar ist wahrscheinlich schwierig, wegen der Belastungen, was da alles ausgelegt werden muss, um einen Drehmechanismus für stärkere Kräfte auszulegen. Aber es ist eine gute Idee, ob es umsetzbar ist, ist die Frage. Ein kleines Tischen ist vorgesehen, es wird keinen Am-Platz Service geben, allerdings für den Laptop zum Arbeiten oder mitgebrachtes Essen.

SUSANNA KLOTZ: Also es wäre schon möglich, dass man da nebenbei arbeitet?

BENJAMIN STEIDL: Ja genau das ist vorgesehen.

SUSANNA KLOTZ: Gurte, muss man angeschnallt werden?

BENJAMIN STEIDL: Das ist tatsächlich ein großes Thema, worüber wir uns auch noch nicht im Klaren sind. Weil es natürlich für die Beschleunigungs- und Bremsvorgänge Normen gibt, die man einhalten sollte, zum Beispiel aus der Zugbranche. Allerdings ist da natürlich die Frage, das Weglassen von Gurten, wenn man sagt man braucht keine Gurte, kommt sicher rüber. Aber es kann auch genau andersherum sein, wenn man sagt, es ist ein neuartiges Verkehrsmittel und es hat Gurte, für manche Menschen ist auch gerade das ein Zeichen von Sicherheit. Deshalb ist es tatsächlich etwas, was wir Laufe des Projektes evaluieren müssen, aber anhand der Beschleunigungen allein wird man es eher nicht brauchen. Auch die unvorhergesehenen Störungen auf der Strecke sind weitestgehend auszuschließen, weil es ein geschlossenes System ist, sodass ich vermutlich keine Gurte brauche.

SUSANNA KLOTZ: Und das Gepäck, das ich dabeihabe? Oder eben der Rollstuhl? Wenn ich auf den Sitz gleiten könnte, mein Rollstuhl muss aber irgendwo stehen, muss ja auch befestigt werden. Oder ist es tatsächlich besser, wenn ich mit meinem Rollstuhl in eine Art Halterung fahren kann und da fest drinhänge?

BENJAMIN STEIDL: Genau also in unserem ersten Entwurf wird das relativ ähnlich zum Flugzeug sein, es gibt nicht diese Überkopfstaufächer, dafür fehlt uns der Platz. Aber es gibt die Möglichkeit, kleinere Gepäckstücke unter den Vordersitz zu legen, da gibts dann auch eine Haltemöglichkeit und für größere Gepäckstücke müsste es eine Aufbewahrungsmöglichkeit geben, zum Beispiel am Einstieg, oder hinten im Zug und eine Sicherung, dass man das verzurren, oder zumindest für die Fahrt sichern kann. Bei Rollstühlen ist ja inzwischen auch die gesetzliche Anforderung, dass mindesten 10 Prozent rollstuhltauglich sind, also entweder mit einem Rollstuhl erreichbar, also entsprechende Gangbreiten oder wirklich Rollstuhlplätze. Ich weiß nicht, haben sie da Erfahrungen, was ist der präferierte Weg? Dass es eine Befestigung für den Rollstuhl gibt, oder man sich auf einen normalen Sitz setzt und den Rollstuhl verstaut?

SUSANNA KLOTZ: Es gibt natürlich die einen, die insofern beweglich sind, dass sie vom Rollstuhl in den Sitz können und auch wieder zurück, mehr oder weniger eigenständig. Dann gibt es natürlich Behinderungen, die sind so schwer, dass die Leute nicht ohne fremde Hilfe aus ihrem Sitz raus können und auch eventuell nicht sitzen können. Dann gibt es natürlich Rollstühle, die sind elektrisch, die sind groß, die sind schwer, also nicht dieser normale, kleine Rollstuhl zum Klappen, das ist denke ich weniger das Problem, aber diese größeren, wo die Leute wirklich nicht allein rauskommen. Da könnte ich mir vorstellen, wäre tatsächlich für so einen Zug eine Begleitung ganz angebracht.

BENJAMIN STEIDL: Da würde es auf jeden Fall auch Sinn ergeben, beides vorzusehen, Plätze, wo man beispielsweise große Elektrorollstühle hinstellen kann und die restlichen Plätze für normale Rollstühle erreichbar, für Rollstuhlfahrer, die sich hinsetzen wollen.

SUSANNA KLOTZ: Kann man aufstehen während der Fahrt?

BENJAMIN STEIDL: Ich würde sagen, es spricht nichts dagegen, die Fahrt ist sehr ruhig, es gibt kaum Vibrationen dadurch, dass es keinen Kontakt zur Schiene gibt. Die Frage ist warum man das sollte.

SUSANNA KLOTZ: Naja, zum Beispiel, weil man sich die Beine vertreten muss, weil man nicht so lange ruhig sitzen kann.

BENJAMIN STEIDL: Genau. Also, um zur Toilette zu gehen, oder sich die Beine zu vertreten sehe ich momentan kein Problem, das wird aber die Zeit zeigen, ob das alles zugelassen werden kann. Allerdings wird es kein Bord Café oder sowas geben. Aber kurz aufstehen, Beine vertreten, ist kein Problem.

SUSANNA KLOTZ: Ja gut, das hält man für eine Stunde schon aus. Was ich dann noch habe, sind regelmäßige Anschlüsse, auch im Außenbereich, das heißt es wird so sein, es ist nur für die großen Städte gedacht?

BENJAMIN STEIDL: Genau, die Idee ist, dass man nur die großen Städte oder Flughäfen verbindet. Die Röhre ist aber abgekapselt, das heißt die Züge sind beinahe lautlos und könnten wirklich in die Stadtzentren fahren und verbinden. Allerdings für kleinere Städte wäre immer eine Anbindung nötig, also aufgrund der hohen Geschwindigkeit würden das System regelmäßige Halte extrem ausbremsen. Deshalb wird es erstmal nur die größeren Städte verbinden. Ähnlich wie bei Flughäfen, nur auf dem Boden.

SUSANNA KLOTZ: Über Preise ist wahrscheinlich noch nichts bekannt?

BENJAMIN STEIDL: Kann man momentan schwierig sagen. Steht und fällt damit, ob es ein staatliches Projekt wird, ob es ein privates Projekt bleibt. Die Bahn ist zum Beispiel ein Privatunternehmen, die komplette Infrastruktur wurde aber ja vom Staat bezahlt. Da gibts sehr viele Faktoren, die mit reinspielen. Wenn die Strecke mal bezahlt ist, das ist natürlich die größte Investition, und auch Solarmodule auf der Strecke installiert werden, die auch einen Großteil der Stromkosten decken, sind die Betriebskosten sehr gering. Wenn der Staat die Streckenkosten bezahlt und als Infrastrukturkosten verbucht, können die Tickets günstig angeboten werden. Das ist aber eine politische Entscheidung, wo wir noch nichts drüber sagen können.

SUSANNA KLOTZ: Gut, wer muss schnell von A nach B, von München nach Hamburg, meistens irgendwelche Geschäftsleute, die sagen ok steig ich in der Früh ein, hab dann mein Meeting in Hamburg und fahr wieder zurück. Da kommt dann vielleicht auch pendeln in Frage, wenn ich es mir leisten kann, oder es die Firma bezahlt. Also es ist jetzt wahrscheinlich nicht so gedacht, reisetechnisch, meistens habe ich ja Gepäck dabei, wobei das könnte man ja vorrausschicken, also man könnte da schon Lösungen finden.

BENJAMIN STEIDL: Genau, es wird keine Konkurrenz zum Fernverkehr sein, ich meine was momentan Flüge ab 4 Stunden oder so sind, da werden irgendwann die Streckenkosten zu hoch. Deshalb wird man da nach wie vor auf Flugzeuge angewiesen sein, da wird man natürlich auch Lösungen finden müssen, um die nachhaltig zu gestalten. Also zum Beispiel mit Wasserstoffantrieb. Es wird wirklich ein Ersatz für die Kurzstreckenflüge sein.

SUSANNA KLOTZ: Kurzstrecken sind sowas wie München-Hamburg?

BENJAMIN STEIDL: Genau, München- Hamburg, Frankfurt oder sagen wir innereuropäische Strecken, München-Barcelona zum Beispiel.

SUSANNA KLOTZ: Also München-Nürnberg ist eher schon zu kurz?

BENJAMIN STEIDL: München-Nürnberg ist schon relativ kurz, ja. Da ist eben die Überlegung, wenn man das durchrechnet, ob sich das noch lohnt, ob man da nachträglich Stopps einbauen kann, aber da haben wir unser Business Team was da Kalkulationen anstellt. also das dauert alles noch ein bisschen.

SUSANNA KLOTZ: Gut, Chancen für neue Konzeptionierung. Klar man muss groß denken, finde ich auch und da kann man natürlich die Inklusion von vorneherein berücksichtigen. Meistens läuft es ja auf Integration raus. Inklusion heißt, von vorneherein alles so gestalten, dass für alle, auch behinderte und eingeschränkte Nutzer, nicht extra nachgerüstet werden muss, sondern gleich mitgedacht wird. Integration ist ja nur schrittweises Nachbessern, wenn man etwas vergessen hat und es ist zum Teil beim vorhandenen System nicht mehr möglich. Die Chancen sind natürlich Klima, Kosten solche Dinge. Das ist ja das Ziel von dem Ganzen, was komplett neues auf die Beine zu stellen und von dem konventionellen wegzukommen. Klar da fährt was von A nach B und unterwegs steigen Leute ein.

BENJAMIN STEIDL: Genau es wird mal für Europa eine längere Distanz möglich. Und das ist auch genau was wir machen wollen, warum ich diese Interviews führe, um wirklich von Anfang an alle Anforderungen zu sammeln. Die Zeit wird zeigen, wie es umgesetzt wird, aber um wirklich eine Absprungs Basis zu haben, worauf man die Entwicklung aufbauen kann. Was würden sie sagen welche Fehler wir vermeiden sollten?

SUSANNA KLOTZ: Ich finde es ja schon prima, dass es einen Prototyp gibt, oder geben soll, wo man das mal so richtig ausprobieren kann. Auch wenn es bloß drei Sitze sind, dass man da tatsächlich eine ganze Menge Leute einlädt, die da versuchen reinzukommen, rauszukommen, dass man vor allem die Zugänge gut anschaut, also ich weiß jetzt nicht, ob es ebenerdig anfängt, oder der Einstig gleich oben ist, aber dass man das alles mitdenkt, dass man da rauf und runter muss. Zum Beispiel an den U-Bahn- oder auch S-Bahnhöfen gibt es in der Regel einen Aufzug, der ist irgendwo und oft ist er kaputt, oder es gibt Rolltreppen mit Wechselrichtung, wo dann die Leute unten warten, bis sie die endlich in die andere Richtung benutzen können, also solche Dinge. Man sollte es einfach von vorne bis hinten ausprobieren. Da dann vielleicht auch verschiedene Vereine, es gibt ja auch Selbsthilfegruppen, einladen, das auszuprobieren. Weil ihnen die Betroffenen noch viel besser sagen können, wo die Punkte sind. Manches, was uns gar nicht auffällt. Man sagt ja, es ist ja fast ebenerdig der Zugang, es ist bloß so ein kleiner Spalt dazwischen, aber da gibt es Ecken und Kanten, wo sie auch mit einem elektrischen Rollstuhl hängen bleiben, der dann einfach nicht weiter geht. Also, dass man da tatsächlich an diesem Prototyp, es ist jetzt ja nicht bloß ein kleines Spielzeug, sondern dass man da echt ausprobieren lässt.

BENJAMIN STEIDL: Okay ja, danke, das ist ein guter Punkt. Weil dann muss man da aufpassen, wir haben ja einmal den Zug und die Röhre. Die Röhre können wir natürlich nicht barrierefrei gestalten, weil es da um die Versuche mit dem Schweben, dem Fahren und so weiter geht. Da gibt es wirklich nur ein kleines Drahtgitter daneben, was im Normalfall der Notausstieg wäre.

SUSANNA KLOTZ: Also es sind dann auch keine Doppelröhren gedacht, dass man sagt, wenn da was ist, kann man in die Nachbarröhre und zu Fuß weiter?

BENJAMIN STEIDL: Also es gibt eine Röhre pro Fahrtrichtung auf jeden Fall, aber dazwischen ist nicht nochmal eine Röhre. Es wird Ausgänge geben, wo dann eine Plattform oder so ist, aber keine Röhre. Aber das Thema, was sie angesprochen haben, da haben wir den Zug und können dann einen Prototypen Bahnsteig aufbauen, wo man dann diese Einstiegsszenarien testen kann.

SUSANNA KLOTZ: Gut die Bahnhöfe kann man ja einfach größer gestalten, oder wie üblich und verbessert, aber die Röhre an sich wird schwierig.

BENJAMIN STEIDL: Genau ja. Der Zug braucht die Röhre ja nur für die hohen Geschwindigkeiten, da heißt, am Bahnsteig selbst wird diese Röhre gar nicht sein. Den kann man fast wie einen herkömmlichen Bahnsteig gestalten.

SUSANNA KLOTZ: Man soll bloß die herkömmlichen Fehler nicht machen.

BENJAMIN STEIDL: Genau, das wollte ich grade sagen, vom Aufbau wie ein herkömmlicher, aber perfekt auf alle Bedürfnisse anpassen. Man hat es natürlich auch einfacher, es werden keine 10 verschiedenen Zug Typen mit verschiedenen Einstiegen fahren, sondern ein System.

SUSANNA KLOTZ: Das stimmt, das ist ja ganz anders normiert. Da gibt es jetzt Züge jeden Alters, da hat jeder einen anderen Einstieg. Und sowas wie jetzt, dass man am Zug selbst zwei, drei Stufen rauf oder runter muss, wird es da nicht geben denke ich?

BENJAMIN STEIDL: Genau, also deshalb bedenken wir sowas. Ich meine Treppen vermeiden dürfte ja jedem einleuchten, aber da hat man gute Chancen, wenn man ganz von vorne anfängt. Was würden Sie uns noch weiter empfehlen, oder auf den Weg geben wollen?

SUSANNA KLOTZ: Also vor allem was ich vorhin schon mal gesagt habe, es gibt nicht nur sichtbare Behinderungen. Also das ist ganz wichtig, dass man da auch psychische Erkrankungen, die Leute haben vielleicht Platzangst, gut die fahren dann wahrscheinlich nicht Hyperloop, aber dass man da auch dran denkt, wenn es klein ist, dass man so hell gestaltet und optisch darstellt, dass es einem nicht die Luft zum Atmen nimmt. Die Luftzufuhr wird wahrscheinlich gut geregelt sein, nehme ich an. Es gibt Leute, die haben Atemwegserkrankungen, denen kann die Luft wegbleiben, wenn sie da die Möglichkeit haben, das zu steuern, dass da normale Luft drin ist, nicht stickig. Dann wie gesagt, wegen der chronischen Darmkrankheiten eine Toilette vorsehen, dann ist das kein Problem. Geistige Einschränkungen nicht vergessen, also dass man nicht alles sehr kompliziert ausdrückt, einfache Sprache möglich ist, dass die Informationen in einfacher Sprache sind. Man muss ja nicht alles im Zug haben, dass man Piktogramme benutzt, die man gut erkennen kann. Und auch wenn es ein Problem ist, an Analphabetismus denkt. Es ist ja doch ein großer Prozentsatz an Leuten, die mit geschriebenen Worten nicht viel anfangen können, dass es tatsächlich die Möglichkeit gibt, sich vorab informieren zu können, dass man es sich auch per Audio anhören kann, dass man das anbietet, auch für Sehbehinderte. Was ich auch gesagt habe, man fühlt sich ausgeliefert, wenn man in so einer Kapsel sitzt und es ist keiner da, dem man zumindest zutraut eine gewisse Kompetenz zu haben. Wenn das ganze unterwegs stoppen muss, und man selbst nicht weiß, es wird ja auch jemanden geben im Kontrollzentrum, der sich per Lautsprecher aufschalten kann, mit dem man sprechen kann. Der sich vielleicht sogar per Monitor zuschalten kann, wäre vielleicht eine Idee, statt dass einer mitfährt. Dass man sagt, man hat da vor der Sitzgruppe wie so eine Art Fernseher, wo sich einer zuschaltet und sagt es ist jetzt nichts passiert, aber es gibt vorne auf der Strecke was weiß ich und es geht gleich weiter. Es kann aber, wenn ich es richtig verstanden habe, wenn man sagt, man steht jetzt da länger in der Röhre drin, dass dann jemand rein kann, das wird nicht möglich sein, oder? Es ist ein geschlossenes System? Es gibt da wahrscheinlich alle Schleusenabschnitte eine Tür, die man von außen öffnen könnte?

BENJAMIN STEIDL: Das ist tatsächlich noch nicht festgelegt, wenn es allerdings ein Abschnitt mit Notausstieg ist, dann könnte man da rein in die Röhre. Dann müsste man allerdings die Schleusen schließen. Deshalb ist es im Zweifel immer besser, die Züge in den nächsten Bahnhof zu bringen, bevor jemand mit dem Auto an das Notausgangstor kommt, da dann hochklettert, bis dahin wäre der Zug auch im nächsten Bahnhof.

SUSANNA KLOTZ: Ja gut. Also einfach die Sensibilisierung, dass es hilfreich ist, wenn man jemanden sieht. Wenn es nur am Bildschirm ist, aber jemand der direkt mit einem Sprechen kann. Also in beide Richtungen. Das wären schon so die Dinge, die ich mir aufgeschrieben habe.

BENJAMIN STEIDL: Ok perfekt. Das waren sehr, sehr gute Punkte, ein sehr konstruktives Interview. Das hat sehr geholfen. Danke auf jeden Fall schon mal und ich beende die Aufnahme.

Susannas schriftliche Beantwortung der Fragen (vor dem o.g. Interview):

Ich habe Informationen eingeholt von sehbehinderten, hörgeschädigten, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, psychisch kranken Menschen

1. Welche besonderen Bedürfnisse haben Menschen mit Behinderung in öffentlichen Verkehrsmitteln?

barrierefreie akustische und optische Informationen bei Störungen und Abweichungen.

Deutlich sichtbare Infotafeln (große Schrift, Kontraste), zusätzlich mit Brailleschrift,

Möglichkeit der akustischen Verbindung über App (Headset, zum besseren Hören, grad im Bahnhof oder an vielbefahrenen Straßen ist es laut, die Hintergrundgeräusche erschweren das Verstehen von Durchsagen)

Deutlich sichtbare Haltestellen bei Bus und Tram, vor allem, wenn die Haltestelle wegen Bauarbeiten verlegt wird und nur kleine unscheinbare Schilder darauf aufmerksam machen.

Verhaltensregeln für den Notfall müssen deutlich, von überall optisch und akustisch sichtbar sein.

Toiletten (chronische Darmkrankheiten, lange Fahrt, Verspätungen)

Gefühl von Sicherheit vor Übergriffen, bei Notfällen (Begleitpersonal, nicht nur Fahrer): Helligkeit, Notknopf, Sprechstelle

Hilfspersonal an Haltestellen

Große Bodenmarkierungen

Mehr Zeit fürs Aus- und Einsteigen

2. Was sind Probleme in heutigen Verkehrsmitteln?

Die Anzeigen sind zu klein und oft unscheinbar. Texte laufen zu schnell durch

Störungen treten sehr häufig auf. Informationen kommen spät und es gibt selten Infos über Ausweichrouten. Beim schnellen Wechsel zu einem anderen Bahnsteig oder Einstieg wäre menschliche Hilfe nötig

Es gibt keine Befestigungsmöglichkeiten für Rollstühle, Rollatoren

Zuwenig Platz für mehrere Rollstuhlfahrer/Kinderwägen

durchgängige Barrierefreiheit fehlt. nicht nur beim Transportmittel selbst, auch beim Zugang und bei sämtlichen damit in Verbindung stehenden Services.

Die Nutzung von Apps (DB Navigator, S-Bahn München usw.) ist nicht barrierefrei gestaltet.

Es gibt zu wenige Bahnsteige bzw. Ausstiege ohne Abstand und Höhenunterschiede zwischen Bahn und Transportmittel; Ausgleich durch eine kleine Rampe, die automatisch ausgefahren werden kann. Barrierefreie Ausgänge in jedem Waggon und Abschnitt

Aufzüge häufig defekt. an jedem Bahnhof zumindest zwei Aufzüge, damit einer funktioniert

Am Rollstuhlstehplatz fehlen Platz und Sitzgelegenheit für Begleitperson

Fahrpersonal ist oft unfreundlich und ungehalten, wenn sie beim Ein- und Ausstieg helfen sollen. Sensibilisierung nötig

Rolltreppen mit wechselnder Laufrichtung statt von jeder Richtung zwei Treppen. Man muss oft sehr lange warten.

3. Was wäre, Ihrer Meinung nach, die wichtigste Eigenschaft für Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln?

Ergonomische Sitze, nicht rechtwinklig.

Drehbar

Gurte zum Anschnallen

Individuelle Einstellmöglichkeit für bequeme Sitzposition

Für lange Fahrten Einmal-Bezug für die Kopfstützen

4. Welche weiteren Aspekte brauchen besondere Aufmerksamkeit?

Regelmäßige Anschlüsse auch im Außenbereich

Unkompliziertes Ticketsystem (einfache Sprache)

Sozialverträgliche Preise

Begleitung, ggf. per Videoschalte, nicht nur Durchsagen, analog Zoom

5. Sind sie mit dem Konzept vertraut? (Erklärung folgt, falls nicht)

Etwas.

Wie schaut die Fluchtwegs Situation aus? Kann man ggf. unterwegs raus?

6. Welche Chancen sehen sie in einer kompletten Neukonzeptionierung eines Verkehrsmittels?

Inklusion. Derzeit wird leider immer noch Integration versucht. Inklusion heißt, von vorneherein alles so gestalten, dass für behinderte und eingeschränkte Nutzer nicht extra nachgerüstet werden muss, sondern gleich mitgedacht wird. Integration ist ja nur schrittweises Nachbessern, z.T. beim vorhandenen System nicht mehr möglich

Beispiel: statt nachträglich Rampen anbringen gleich anpassbare Einstiegshöhe konzipieren

Fahrzeuge mit abtrennbaren Waggons oder kleinen Einheiten, damit auch außerhalb von Stoßzeiten eine häufige Taktung möglich ist

Wie bei diesem Projekt. Man muss „groß“ denken. Einstein: „Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, dann taugt sie nichts…“

Beim Hyperloop: parallellaufende Rettungsröhre?

7. Was sind, ihrer Meinung nach, wichtige Punkte, die wir besonders berücksichtigen sollten?

Es gibt nicht nur sichtbare Behinderungen!!! Psychische Erkrankungen (Panikattacken!) Krebs, Atemwegserkrankungen, Darmkrankheiten usw. Analphabetismus, geistige Einschränkungen; Klaustrophobie

8. Was möchten Sie uns noch mit auf den Weg geben?

Die menschliche Begleitung nicht komplett durch Technik ersetzen. Gerade auf Langstrecken ist eine Person aus Fleisch und Blut, die kompetent wirkt und ist, sehr wichtig. Sie muss sensibilisiert sein für behinderte Menschen, im Notfall die Technik händeln können, erste Hilfe leisten können.

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