Barrierefreiheit an Bahnhöfen

Patricia Koller/ Mai 20, 2021/ Beitrag/ 0Kommentare

Um solche Projekte wirklich barrierefrei umzusetzen, müssen von Anfang an Menschen mit unterschiedlichen (!) Behinderungen dauerhaft in die Planung und auch in anschließende Tests mit einbezogen werden. Gehörlose haben andere Probleme auf einem Bahnhof als Blinde und Rollstuhlfahrer*innen andere als Fußgänger*innen usw.  

Derzeit gilt schon als “barrierefreier” Bahnhof, an dem wir Rollstuhlfahrer trotzdem tagelang vorher den Mobilitätsservice und den Hublift bestellen müssen, um dann einen der wenigen Rollstuhlplätze im Zug überhaupt erreichen zu können. Ein selbständiges “Zusteigen” ist uns nicht möglich und wenn uns der Service mal wieder vergessen hat, stehen wir eben auch mal um Mitternacht alleine im leeren Zug, während alle anderen Passagiere längst unterwegs zu ihren Autos, Taxis oder Anschlußzügen sind. Ein Glück, wenn man dann ein Handy oder eine Assistenzkraft dabei hat, um Hilfe zu holen. Barrierefreiheit würde m.E. auch bedeuten, daß Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe alleine in einen Zug hinein- und auch wieder herauskommen können. Das ist derzeit nicht der Fall. Manchmal sucht man schon eine gefühlte Ewigkeit nach dem Mobilitätsservice vor Ort, weil er selbst für Sehende nicht leicht zu finden ist.

Eine Gruppe Rollstuhlfahrer*innen kann auch nie gemeinsam einen Zug nutzen, weil es kaum Rollstuhlplätze gibt.  Was nutzt uns ein großer Fahrstuhl, wenn er dauernd defekt ist und Rollstuhlfahrer*innen große Umwege in Kauf nehmen müssen, um den Zug / Bahnhof überhaupt verlassen zu können?

Auf solche Themen müßte viel mehr geachtet werden und durch mehr funktionierende Fahrstühle mehr Sicherheit geschaffen werden. Immer wieder mal muß die Feuerwehr anrücken, um Rollstuhlfahrer*innen zu befreien.  

Eventuell vorhandene Rampen dürfen nicht zu steil sein, weil sonst die Gefahr besteht, daß die Rollstühle kippen.  
Schalter und Automaten müssen für Rollstuhlfahrer*innen und Kleinwüchsige ohne fremde Hilfe nutzbar sein.
Auch Sprachbarrieren müssen mitbedacht werden.  

Behindertentoiletten sollten ausreichend vorhanden und mit dem Euroschlüssel zugänglich sein. Oft werden sie als Schlafplatz / Schutzraum von Obdachlosen genutzt, oder von Nichtbehinderten besetzt, die einfach zu bequem sind. Somit kommen auch unnötige Probleme auf, da es ohnehin zu wenig Behindertentoiletten gibt und man sehr vorausschauend planen muß, wann man sich wieder Erleichterung verschaffen kann. Viele Rollstuhlfahrer*innen verzichten daher vorsorglich an Reisetagen auf das Trinken, um keine peinlichen Probleme zu bekommen. Das ist sehr ungesund, wie wir alle wissen.  

Werbetafeln und Wahlplakate können zu gefährlichen Fallen für Blinde führen, weil sie dagegenknallen, wenn sie kein Blindenleitsystem sicher herumführt.
Ansagen müssen auch auf Schrifttafeln angezeigt werden, damit auch Hörgeschädigte von Verspätungen oder Gleiswechseln erfahren.  

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die vielfältigen Probleme von Menschen mit Behinderungen.  

Es bleibt zu hoffen, daß die Steuergelder für die Umbauten der Bahnhöfe wirklich sinnvoll eingesetzt und alle Behinderungen mitgedacht werden.
Bleiben dann aber immer noch die Probleme mit den vielen nicht barrierefrei zugänglichen Zügen…

Bahnsteig mit gelber Aufschrift: MIND THE GAP (Achten Sie auf die Lücke)

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